Ratgeber: Wie viele Stollen / Spikes pro Hufschuh – und welche Höhe?

Ein häufiges Problem im Winter: Hufschuhe oder Barhufe haben zu wenig Halt auf vereisten Strassen, gefrorenen Wegen oder rutschigem Untergrund. Das kann für Pferd und Reiter schnell gefährlich werden.

Viele Hufschuhmarken besitzen zwar ein Profil, dieses ist jedoch nur bedingt rutschfest – und sobald die Sohle teilweise abgenutzt ist, kommt es oft zu Rutschpartien. Nicht nur im Winter, sondern auch bei nassen Wiesen, Laub oder Matsch.

 Abhilfe schaffen Stollen oder Spikes, die dem Hufschuh zusätzlichen Grip geben.

1) Grundsätzlich: Allwetter vs. Winter

Je nach Einsatz unterscheiden wir zwischen:

Allwetter Lösung (nass, Laub, Wiese, Matsch)

Allwetter-Lösungen sind ideal bei wechselnden Bedingungen, wenn du nicht ausschliesslich im Schnee unterwegs bist. Hier eignen sich am besten kleine Stollen oder Spikes, da sie nur dann „greifen“, wenn der Boden unsicher ist – und auf normalem, griffigem Untergrund weniger belastend wirken.

Empfehlung:
kleinere Stollen ab ca. 5 mm / Spikes 

Winter Lösung (Eis, Schnee, gefrorener Boden)

Bei Schnee und Eis braucht es meist deutlich mehr Halt. Hier kommen Winterstollen-Kombinationen zum Einsatz, die den Hufschuh zuverlässig stabilisieren.

Empfehlung:
 je nach Untergrund und Hufschuhgrösse 4–6 Stollen pro Hufschuh
 je nach Gelände höhere Stollen (ca. 8 mm)

2) Wie viele Stollen / Spikes pro Hufschuh?

Das ist die häufigste Frage – hier eine klare Faustregel:

 Empfehlung für den Alltag (Allwetter)

  • 10 – 12  Spikes / 4 kleine (5mm) Stollen pro Hufschuh
  • ideal bei rutschigen Stellen, ohne unnötige Punktbelastung auf trockenem Boden

 Vorteil: gut für “gemischte” Ausritte.

 Empfehlung für Wintereinsatz

Für echte Winterbedingungen sollten pro Hufschuh mindestens 4 (empfohlen 6) Stollen gesetzt werden:

 4 Stollen pro Hufschuh (Standard Winter)

  • 2 im Zehenbereich
  • 2 im Trachtenbereich

Warum nicht nur hinten 2 Stollen?

Wenn du nur im Trachtenbereich Stollen montierst, kann es beim Abfussen zu einem unangenehmen Rutschen über die Zehe kommen – dort fehlt dann der Grip.

 Wann machen 6 Stollen Sinn?

  • bei tiefem Boden, Schnee, steinigen Wegen, starker Beanspruchung
  • bei grossen Hufschuhen (mehr Fläche = mehr sinnvolle Positionen)

 6 Stollen = mehr Reserve bei schwierigem Gelände
 8 Stollen aber nur, wenn die Schuhgrösse gross genug ist

3) Welche Höhe ist sinnvoll? (5 mm oder 8 mm?)

Auch hier gilt: je schwieriger der Untergrund, desto höher darf der Stollen sein.

5 mm (klein / Allwetter)

Ideal für:

  • feuchte Wiesen
  • Laub
  • Matsch
  • gemischte Wege

 weniger “störend” bei normaler Abrollbewegung
 angenehmer fürs Pferd im Alltag als 8mm Stollen

 8 mm (gross / Winter)

Ideal für:

  • Schnee
  • Eis
  • tiefer, rutschiger Boden
  • schwieriges Gelände

 deutlich mehr Grip
 besonders sinnvoll bei Reitpferden mit hoher Beanspruchung

4) Stollen & Spikes – welche Systeme gibt es?

Stollen (verschraubt / mit Gewinde) – HBG Contact

Stollen werden fix in der Sohle mit einer Gewindehülse verankert und bleiben idealerweise bis zur Abnutzung montiert. Je nach System braucht es Hülsen/Adapter oder eine passende Besohlung.

Es gibt sie typischerweise in:

  • ca. 5 mm
  • ca. 8 mm

Horse Boot Grip (HBG) – kontaktlose Stollen

Eine moderne Lösung sind die Horse Boot Grip Stollen, die ohne klassischen Kontakt zum Huf auskommen. Dadurch entsteht kein unangenehmer Rückschlag am Huf – was viele Pferde deutlich angenehmer finden.

Es gibt sie typischerweise in:

  • ca. 5 mm

 Schraubspikes (einfach & benutzerfreundlich)

Schraubspikes werden direkt ins Profil eingeschraubt. Der Halt im Kunststoff ist nicht so stark wie bei fix verankerten Stollen – dafür sind sie:

  • schnell montiert
  • preislich attraktiv
  • ideal für kleinere Schuhgrössen (z. B. Ponys)

 Richtwerte nach Grösse:

  • kleine Schuhe / Ponys → Spikes Typ 1000
  • normale Pferdegrössen → Typ 1100
  • sehr grosse Schuhe → Typ 1200

5) Können Stollen den Gelenken schaden?

Grundsätzlich ja: Stollen erzeugen immer eine punktuelle Belastung, die sich ungünstig auf Gelenke auswirken kann – vor allem bei hartem Untergrund.

Zur Beruhigung: Hufschuhe mit Stollen/Spikes werden in der Regel nicht rund um die Uhr, sondern nur während des Einsatzes getragen. Dadurch ist die zusätzliche Belastung für den Bewegungsapparat zeitlich klar begrenzt.

 Was reduziert das Risiko deutlich?

  • Einschlagmuttern / Gewindehülsen sauber versenken
  • möglichst geringe “Innenkontakte” zur Hufsohle
  • bei empfindlichen Pferden: Dämpfung / Einlagen / Besohlung prüfen
  • auf Asphalt: so wenig wie möglich

 Wichtig:
Auf Asphalt können Stollen nicht einsinken – die Schläge werden kaum absorbiert.
Auf Naturboden, Wiese, Schotter hingegen versinken Stollen leicht und die Last verteilt sich besser über die Hufschuhsohle. Dabei greifen die Stollen sicher in den Boden.

6) Unser Praxis-Tipp: Zwei Sets Hufschuhe

Wenn du ganzjährig unterwegs bist, lohnt es sich sehr, zwei Sätze Hufschuhe zu haben:

  •  1 Paar ohne Stollen (Normalbetrieb)
  •  1 Paar mit Stollen / Spikes (Winter / rutschig)

Das kostet anfangs mehr – spart aber:

  • Stress beim Umrüsten
  • Verschleiss – die „Stollen Hufschuhe halten länger“
  • und die “falsche” Nutzung auf Asphalt

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